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Inhalt
Eine
Weihnachtsgeschichte
Oliver Kalkofe
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Und so begab es sich also zu einer Zeit, daß
ein neues Gesetz erlassen wurde von den Königen der GEZ, auf daß ein jeder
einzelne sich zählen lasse, und wenn er nur einer sei, er doch ruhig der
eitlen Mathematik zum Trotze für zwei Gebühren zahlen solle. Zu gleicher
Zeit verspürte an einem anderen Orte eine blutjunge Endvierzigerin, deren
Name Hera war, ein schwänglerisches Rumoren in ihrem Bauche, und weil
sie wahrlich ein Superweib war - das wußte niemand so gut wie sie selbst
- so ahnte sie, daß dieses Kind von ganz oben, Programdirektor oder sogar
noch höher, gesandt sein mußte.
Davon erfuhr auch Jürgen, ein windiger Wanderprediger mit dem wachsamen
Blick eines eingeschläferten Cockerspaniels, und da er sich dem lieben
Gott als guter Kumpel und Berater wähnte, die blonde Hera aber keineswegs
angepackt hatte, vermutete er seine irdische Vaterschaft, denn etwas Ähnliches
hatte er schon einmal in seinem dicken Buch gelesen. So machte Jürgen
die Fliege, verließ betroffen seine aufatmende Gemeinde und zog mit Hera
durch Lind und Land auf der verzweifelten Suche nach einer Talkshow, die
sie als Gäste aufnähme und in der sie den Menschen all das erzählen könnten,
was diese gar nicht wissen wollten.
Doch es war Weihnachten und alle Sendungen - von Vera am Mittag "Die Wessis
haben krumme Pimme" über Arabella "Ich nagel gern gepiercte Pferde" bis
zu Schäfers Bärbel "Wenn ich so oft könnte, wie ich wollte, dann würde
ich viel öfter!" - waren bis zur Antennenspitze gefüllt. Selbst bei "Wetten,
daß...?", wo Michael Jackson wegen einer Hodenzerrung seinen Auftritt
abgesagt hatte, verschloß man die Türe vor dem armen Paar und holte sich
zum Adventssingen lieber Die Prinzen mit dem Neubrandenburger Tuntenchor
im Fistel-Kanon.
Doch als Heiligabend PR-mäßig schon gelaufen schien, da fanden sie Unterschlupf
in einem umgebauten Sendestall vom Offenen Kanal, wo Hera gebar einen
strammen Stoß heißer Luft und ein gar dickes Buch, was ihr schon lange
auf Herzblatt und Magen gedrückt hatte. Und als die Kunde eines neuen
Werks zur Erleuchtung frustgeplagter Fremdsprachen-Sekretärinnen und Friseur-Mätressen
um die Erde ging, da kamen sie alle, um der Mutter werbewirksame Gastauftritte
darzureichen, profitable Verlagsverträge und altbackene Arschgeigen-Verkupplungs-Shows
zum Kaputtmoderieren. So jauchzten alle glücklich und ein Frohlocken ging
um die Erde, denn wenn schon nicht ein neuer Erlöser erschienen war, so
doch wenigstens ein ordentlicher Reibach, was ja auch ganz schön war,
gerade zum Fest. Frohe Weihnachten!
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Nicht nur wir Normalbürger haben mit der Polizei
zu tun.
Auch einem Nikolaus kann es passieren, dass er mit einem ganz irdischen
„Blauen“ in Kontroversen kommt.
So wartete am Montagabend, dem berühmten 6. Dezember, ein Streifenbeamter
der Polizei an einem ganz gewöhnlichen kleinen Auto, das der Fahrer völlig
unvorschriftsmäßig und keck in ein deutlich bezeichnetes Parkverbot gestellt
hatte. Der Polizist, - es war nicht gerade in der kritischen Innenstadt
– war eben am überlegen, ob er seinen Block mit vorgedruckten Aufforderungen,
sich auf dem Revier zu melden, ziehen solle, aber da es so kalt war, ließ
er die Hände lieber in den Handschuhen. Unschlüssig stand er, ob er besser
weitergehen oder amtliche Kenntnis zu nehmen hätte.
In diese Überlegung hinein trat eine vermummte Gestalt aus dem Hauseingang,
schritt auf den Wagen zu und erwies sich als der Fahrer des falsch geparkten
Fahrzeugs. Als Polizist kann man nun nicht mehr den Ahnungslosen markieren,
sondern ist zur Amtshandlung gezwungen.
„Sie“, sagte der Ordnungshüter, dem der Autofahrer den Buckel hinstreckte,
„Sie, haben sie nicht gesehen, dass sie im Parkverbot stehen?“
Der Fremde drehte sich um.
Wahrscheinlich haben dem Polizeibeamten, der ja auch einmal ein Knabe
war, in diesem Augenblick die amtsblauen Hosenbeine geschlottert. Denn
der Autofahrer trug eine Kurre, einen mächtigen weißen Bart, eine Rute
in der Hand und sah ehrfurchtsvoll drein.
„....im Parkverbot stehen“, monierte der Beamte nur noch schwach und hätte
sich eigentlich am liebsten unverzüglich auf seinen Rundgang begeben.
„Stimmt!“ brummte der Nikolaus und ließ lässig die Rute in den Fingern
kreisen.
„Das ist ein Parkverbot. Aber sie wissen, dass auch im Parkverbot das
Be- und entladen des Fahrzeugs erlaubt ist!“
„Allerdings“, stimmte der Polizist froh ein.
„Und wie sie hier sehen“, fuhr der Nikolaus fort und schwang einen leeren
Sack, „habe ich in diesem Haus einiges entladen. Dieser Sack war einmal
voll mit Äpfeln, Nüssen und anderen Sachen. Oder wollten sie, dass ein
Nikolaus von heute einen Sack zu Fuß schleppen soll, wo jedes Bierfahrzeug
im Halteverbot halten darf?“
„Oh!“ lächelte der Polizeibeamte, „das wollte ich keineswegs. Das geht
in Ordnung. Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest!“
Am liebsten hätte er noch „lieber Nikolaus“ angefügt. Aber da genierte
er sich. Ein Polizeibeamter ist ja schließlich kein Knabe mehr.
Quelle unbekannt
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Der
kleine Flori und der Nikolaus
Von Irina Korschunow
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Der kleine Flori war vom ersten Schultag an
ein ganz schlimmer Schlamper. Dauernd ließ er irgend etwas im Schulzimmer
liegen, die Mütze oder seine Handschuhe, die Fibel, das Rechenbuch, die
Tafel, ein Heft oder das Federmäppchen. Ja, manchmal vergaß er sogar alles
miteinander und lief mit leerem Schulranzen heim. Und es kam noch schlimmer:
Eines Nachmittags nämlich, als Flori die vergessene Fibel holen wollte,
lag sie nicht mehr auf seiner Bank; Flori suchte und suchte, aber die
Fibel war wie weggeblasen. Am nächsten Tag konnte Flori das Rechenbuch
nicht finden, am übernächsten Tag war die Tafel fort. Das war kurz vor
dem Nikolaustag, und die Mutter meinte: „Ich glaube, diesmal bringt der
Nikolaus höchstens eine Rute.
Aber das glaubte der kleine Flori auf keinen Fall. In den vergangenen
Jahren war der heilige Nikolaus immer nett zu ihm gewesen, obwohl er schon
damals herumgetrödelt und nie aufgeräumt hatte. Sicher würde der Nikolaus
auch in diesem Jahr nichts von der Schlamperei gemerkt haben und wieder
die guten Mandellebkuchen mitbringen, die Flori so gerne aß und die nur
der Nikolaus hatte.
Ja, und dann kam er, der Nikolaus! Er pochte laut an der Tür und stapfte
herein in seinem roten Mantel und mit der Bischofsmütze aus Gold. Auch
einen vollen Sack hatte er dabei, an welcher Stelle wohl die Lebkuchen
für ihn stecken mochten. Aber der Nikolaus machte gar keine Anstalten,
Lebkuchen aus dem Sack zu holen. Er schaute den Flori mit gerunzelter
Stirn an, so streng wie er noch nie ausgesehen hatte.
„Warst du auch brav, Flori?“
„Ja“, sagte Flori schnell, obwohl er natürlich genau wußte, daß das nicht
ganz stimmte.
„So, so“, brummte der Nikolaus, „brav warst du? Und immer recht ordentlich?
Und du hast nie etwas verschlampt oder vertrödelt?“
O weh! Jetzt sagte der kleine Flori gar nichts mehr. Ob der Nikolaus doch
etwas wußte? Floris Herz fing laut zu klopfen an
„Was meinst du wohl, was ich dir mitgebracht habe?“ fragte der Nikolaus
und griff nach seinem Sack.
„Ma-Ma-Mandellebkuchen“, stotterte Flori.
Aber der Nikolaus schüttelte seinen Kopf.
„Für Mandellebkuchen war im Sack kein Platz mehr“, sagte er, „weil ich
doch so viele andere Dinge für dich einpacken mußte. Hier, dies zum Beispiel...“
Und was holte er aus dem Sack? Die Fibel!
„Und dies...“ Das Rechenbuch!
„Und das...“ „Und das...“ Die Tafel, Floris Pudelmütze, den linken Handschuh,
die Bastelschere, drei Bleistifte, eine Schachtel Malkreide - eins nach
dem anderen holte der Nikolaus hervor. Nur kein Paket Mandellebkuchen,
nicht einmal ein einiges Stück!
„Also dann bis zum nächsten Jahr, kleiner Flori“, meinte der Nikolaus
freundlich. „Und wenn ich dann nicht soviel Trödelkram für dich mitbringen
muß, hab' ich auch sicher Platz für Lebkuchen.“
Und er stapfte wieder aus der Stube hinaus.
Ja, da stand er, der Flori, und hatte nichts, überhaupt nichts vom Nikolaus
bekommen! Eigentlich ist das eine traurige Geschichte.
Aber zum Glück geht sie gut aus! Weil nämlich der heilige Nikolaus wirklich
von Herzen gütig ist und weil sich der kleine Flori von diesem Tag an
große Mühe gab und fast gar nichts mehr verschlampte, lag in der Woche
vor Weihnachten auf einmal eine bunte Schachtel im Briefkasten. „An den
kleinen Flori“ stand darauf.
Ihr könnt euch vielleicht schon denken, was sie enthielt! In der Schachtel
waren die guten Mandellebkuchen, wie sie nur der Nikolaus hat!
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Eine
Wintergeschichte
Verfasser noch unbekannt
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8. Dezember
18:00 Es hat angefangen zu schneien. Der erste Schnee in diesem Jahr.
Meine Frau und ich haben unsere Cocktails genommen und stundenlang am
Fenster gesessen und zugesehen wie riesige, weiße Flocken vom Himmel herunter
schweben. Es sah aus wie im Märchen. So romantisch - wir fühlten uns wie
frisch verheiratet. Ich liebe Schnee.
9. Dezember Als wir wach wurden, hatte
eine riesige, wunderschöne Decke aus weißem Schnee jeden Zentimeter der
Landschaft zugedeckt. Was für ein phantastischer Anblick! Kann es einen
schöneren Platz auf der Welt geben? Hierher zu ziehen war die beste Idee,
die ich je in meinem Leben hatte. Habe zum ersten Mal seit Jahren wieder
Schnee geschaufelt und fühlte mich wieder wie ein kleiner Junge. Habe
die Einfahrt und den Bürgersteig freigeschaufelt. Heute Nachmittag kam
der Schneepflug vorbei und hat den Bürgersteig und die Einfahrt wieder
zugeschoben, also holte ich die Schaufel wieder raus. Was für ein tolles
Leben!
12. Dezember Die Sonne hat unseren ganzen
schönen Schnee geschmolzen. Was für eine Enttäuschung. Mein Nachbar sagt,
daß ich mir keine Sorgen machen soll, wir werden definitiv eine weiße
Weihnacht haben. Kein Schnee zu Weihnachten wäre schrecklich! Bob sagt,
daß wir bis zum Jahresende so viel Schnee haben werden, daß ich nie wieder
Schnee sehen will. Ich glaube nicht, daß das möglich ist. Bob ist sehr
nett - ich bin froh, daß er unser Nachbar ist.
14. Dezember Schnee, wundervoller Schnee!
30 cm letzte Nacht. Die Temperatur ist auf -20 Grad gesunken. Die Kälte
läßt alles glitzern. Der Wind nahm mir den Atem, aber ich habe mich beim
Schaufeln aufgewärmt. Das ist das Leben!! Der Schneepflug kam heute nachmittag
zurück und hat wieder alles zugeschoben. Mir war nicht klar, daß ich soviel
würde schaufeln müssen, aber so komme ich wieder in Form. Wünschte ich
würde nicht so Pusten und Schnaufen.
15. Dezember 60 cm Vorhersage. Habe meinen
Kombi verscheuert und einen Jeep gekauft. Und Winterreifen für das Auto
meiner Frau und zwei Extra-Schaufeln. Habe den Kühlschrank aufgefüllt.
Meine Frau will einen Holzofen, falls der Strom ausfällt. Das ist lächerlich
- schließlich sind wir nicht in Alaska.
16. Dezember Eissturm heute Morgen. Bin
in der Einfahrt auf den Arsch gefallen, als ich Salz streuen wollte. Tut
höllisch weh. Meine Frau hat eine Stunde gelacht. Das finde ich ziemlich
grausam.
17. Dezember Immer noch weit unter Null!
Die Strassen sind zu vereist, um irgendwohin zu kommen. Der Strom war
5 Stunden weg. Musste mich in Decken wickeln, um nicht zu erfrieren. Kein
Fernseher. Nichts zu tun als meine Frau anzustarren und zu versuchen,
sie zu irritieren. Glaube, wir hätten einen Holzofen kaufen sollen, würde
das aber nie zugeben. Ich hasse es, wenn sie recht hat! Ich hasse es,
in meinem eigenen Wohnzimmer zu erfrieren!
20. Dezember Der Strom ist wieder da, aber
nochmal 40 cm von dem verdammten Zeug letzte Nacht! Noch mehr schaufeln.
Hat den ganzen Tag gedauert. Der beschissene Schneepflug kam zweimal vorbei.
Habe versucht eines der Nachbarskinder zum Schaufeln zu überreden. Aber
die sagen, sie hätten keine Zeit, weil sie Hockey spielen müssen. Ich
glaube, daß die lügen. Wollte eine Schneefräse im Baumarkt kaufen. Die
hatten keine mehr. Kriegen erst im März wieder welche rein. Ich glaube,
daß die lügen. Bob sagt, daß ich schaufeln muß oder die Stadt macht es
und schickt mir die Rechnung. Ich glaube, daß er lügt.
22. Dezember Bob hatte recht mit weißer
Weihnacht, weil heute Nacht nochmal 30 cm von dem weißen Zeug gefallen
ist und es ist so kalt, daß es bis August nicht schmelzen wird. Es hat
45 Minuten gedauert, bis ich fertig angezogen war zum Schaufeln und dann
mußte ich pinkeln. Als ich mich schließlich ausgezogen, gepinkelt und
wieder angezogen hatte, war ich zu müde zum Schaufeln. Habe versucht für
den Rest des Winters Bob anzuheuern, der eine Schneefräse an seinem Lastwagen
hat, aber er sagt, daß er zu viel zu tun hat. Ich glaube, daß der Wichser
lügt.
24. Dezember 20 Zentimeter. Der Schnee
ist vom Schneepflug so fest zusammengeschoben, daß ich die Schaufel abgebrochen
habe. Dachte ich kriege einen Herzanfall. Falls ich jemals den Arsch kriege,
der den Schneepflug fährt, ziehe ich ihn an seinen Eiern durch den Schnee.
Ich weiß genau, daß er sich hinter der Ecke versteckt und wartet bis ich
mit dem Schaufeln fertig bin. Und dann kommt er mit 150 km/h die Straße
runtergerast und wirft tonnenweise Schnee auf die Stelle, wo ich gerade
war. Heute Nacht wollte meine Frau mit mir Weihnachtslieder singen und
Geschenke auspacken, aber ich hatte keine Zeit. Mußte nach dem Schneepflug
Ausschau halten.
25. DezemberFrohe Weihnachten. 60 Zentimeter
mehr von der !*?'@$. Eingeschneit. Der Gedanke an Schneeschaufeln läßt
mein Blut kochen. Gott, ich hasse Schnee! Dann kam der Schneepflugfahrer
vorbei und hat nach einer Spende gefragt. Ich hab ihm meine Schaufel über
den Kopf gezogen. Meine Frau sagt, daß ich schlechte Manieren habe. Ich
glaube, daß sie eine Idiotin ist. Wenn ich noch einemal Wolfgang Petry
anhören muß, werde ich sie umbringen.
26. DezemberImmer noch eingeschneit. Warum
um alles in der Welt sind wir hierher gezogen? Es war alles IHRE Idee.
Sie geht mir auf die Nerven.
27. Dezember Die Temperatur ist auf -30
Grad gefallen und die Wasserrohre sind eingefroren.
28. Dezember Es hat sich auf -5 Grad erwärmt.
Immer noch eingeschneit. DIE ALTE MACHT MICH VERRÜCKT!!!!
29. DezemberNochmal 30 Zentimeter. Bob
sagt, daß ich das Dach freischaufeln muß, oder es wird einstürzen. Das
ist das Dämlichste was ich je gehört habe. Für wie blöd hält der mich
eigentlich?
30. DezemberDas Dach ist eingestürzt. Der
Schneepflugfahrer hat mich auf 50.000 DM Schmerzensgeld verklagt. Meine
Frau ist zu ihrer Mutter gefahren. 25 Zentimeter vorhergesagt.
31. Dezember Habe den Rest vom Haus angesteckt.
Nie mehr Schaufeln.
8. Januar Mir geht es gut. Ich mag die
kleinen Pillen, die sie mir dauernd geben. Warum bin ich an das Bett gefesselt??
Quelle unbekannt
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Interview
mit dem Weihnachtsmann
Von Erich Kästner
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Es hatte schon wieder geklingelt. Das neuntemal
im Verlauf der letzten Stunde! Heute hatten, so schien es, die Liebhaber
von Klingelknöpfen Ausgang. Mürrisch rollte ich mich türwärts und öffnete.Wer,
glauben Sie, stand draußen? Sankt Nikolaus persönlich! In seiner bekannten
historischen Ausrüstung. "Oh", sagte ich. "Der eilige Nikolaus!" - "Der
heilige, wenn ich bitten darf. Mit h!" Es klang ein wenig pikiert. "Als
Junge habe ich Sie immer den eiligen Nikolaus genannt. Ich fand's plausibler."
- "Sie waren das?" - "Erinnern Sie sich denn noch daran?" - "Natürlich!
Ein kleiner hübscher Bengel waren Sie damals!""Klein bin ich immer noch."
- "Und nun wohnen Sie also hier." - "Ganz recht." Wir lächelten resigniert
und dachten an vergangene Zeiten."Bleiben Sie noch ein bißchen!" bat ich.
"Trinken Sie noch eine Tasse Kaffee mit mir!"
Er tat mir, offen gestanden, leid.Was soll ich Ihnen sagen? Er blieb.
Er ließ sich herein. Erst putzte er sich am Türvorleger die Stiefel sauber,
dann stellte er den Sack neben die Garderobe, hängte die Rute an einen
der Haken, und schließlich trank der mit mir in der Wohnstube Kaffee."Zigarre
gefällig?" - "Das schlag ich nicht ab." Ich holte die Kiste. Er bediente
sich. Ich gab ihm Feuer. Dann zog er sich mit Hilfe des linken den rechten
Stiefel aus und atmete erleichtert auf. "Es ist wegen der Plattfußeinlage.
Sie drückt niederträchtig." - "Sie Ärmster! Bei Ihrem Beruf!" - "Es gibt
weniger Arbeit als früher. Das kommt meinen Füßen zupaß. Die falschen
Nikoläuse schießen wie die Pilze aus dem Boden.""Eines Tages werden die
Kinder glauben, daß es Sie, den echten, überhaupt nicht mehr gibt."
"Auch wahr! Die Kerls schädigen meinen Beruf! Die meisten von denen, die
sich einen Pelz anziehen, einen Bart umhängen und mich kopieren, haben
nicht das mindeste Talent! Es sind Stümper!" - "Weil wir gerade von Ihrem
Beruf sprechen", sagte ich, "hätte ich eine Frage an Sie, die mich schon
seit meiner Kindheit beschäftigt. Damals traute ich mich nicht. Heute
schon eher. Denn ich bin Journalist geworden." - "Macht nichts", meinte
er und goß sich Kaffee zu. "Was wollen Sie seit Ihrer Kindheit von mir
wissen?"
"Also", begann ich zögernd, "bei Ihrem Beruf handelt es sich doch eigentlich
um eine Art ambulanten Saisongewerbes, nicht? Im Dezember haben Sie eine
Menge Arbeit. Es drängt sich alles auf ein paar Wochen zusammen. Man könnte
von einem Stoßgeschäft reden. Und nun ..." - "Hm?" - "Und nun wüßte ich
brennend gern, was Sie im übrigen Jahr tun!"Der gute alte Nikolaus sah
mich einigermaßen verdutzt an. Er machte fast den Eindruck, als habe ihm
noch niemand die so naheliegende Frage gestellt. "Wenn Sie sich nicht
darüber äußern wollen ..." - "Doch, doch", brummte er. "Warum denn nicht?"
Er trank einen Schluck Kaffee und paffte einen Rauchring. "Der November
ist natürlich mit der Materialbeschaffung mehr als ausgefüllt. In manchen
Ländern gibt's plötzlich keine Schokolade. Niemand weiß wieso. Oder die
Äpfel werden von den Bauern zurückgehalten. Und dann das Theater an den
Zollgrenzen. Und die vielen Transportpapiere. Wenn das so weitergeht,
muß ich nächstens den Oktober noch dazunehmen. Bis jetzt benutze ich den
Oktober eigentlich dazu, mir in stiller Zurückgezogenheit den Bart wachsen
zu lassen.""Sie tragen den Bart nur im Winter?" - "Selbstverständlich.
Ich kann doch nicht das ganze Jahr als Weihnachtsmann herumrennen. Dachten
Sie, ich behielte auch den Pelz an? Und schleppte 365 Tage den Sack und
die Rute durch die Gegend? Na also. - Im Januar mache ich dann die Bilanz.
Es ist schrecklich. Weihnachten wird von Jahrhundert zu Jahrhundert teurer!"
- "Versteht sich." - "Dann lese ich die Dezemberpost. Vor allem die Kinderbriefe.
Es hält kolossal auf, ist aber nötig. Sonst verliert man den Kontakt mit
der Kundschaft." - "Klar." - "Anfang Februar lasse ich mir den Bart abnehmen."In
diesem Moment läutete es wieder an der Flurtür. "Entschuldigen Sie mich,
bitte?" Er nickte.
Draußen vor der Tür stand ein Hausierer mit schreiend bunten Ansichtskarten
und erzählte mir eine sehr lange und sehr traurige Geschichte, deren ersten
Teil ich mir tapfer und mit zusammen-gebissenen Ohren anhörte. Dann gab
ich ihm das Kleingeld, das ich lose bei mir trug, und wir wünschten einander
auch weiterhin alles Gute. Obwohl ich mich standhaft weigerte, drängte
er mir als Gegengeschenk ein halbes Dutzend der schrecklichen Karten auf.
Er sei, sagte er, schließlich kein Bettler. Ich achtete seinen schönen
Stolz und gab nach. Endlich ging er.
Als ich ins Wohnzimmer zurückkam, zog Nikolaus gerade ächzend den rechten
Stiefel an. "Ich muß weiter", meinte er, "es hilft nichts. Was haben Sie
denn da in der Hand?" - "Postkarten. Ein Hausierer zwang sie mir auf."
- "Geben Sie her. Ich weiß Abnehmer. Besten Dank für Ihre Gastfreundschaft.
Wenn ich nicht der Weihnachtsmann wäre, könnte ich Sie beneiden."Wir gingen
in den Flur, wo er seine Utensilien aufnahm. "Schade", sagte ich. "Sie
sind mir noch einen Teil Ihres Jahreslaufs schuldig." Er zuckte die Achseln.
"Viel ist im Grunde nicht zu erzählen. Im Februar kümmere ich mich um
den Kinderfasching. Später ziehe ich auf Frühjahrsmärkten umher. Mit Luftballons
und billigem mechanischen Spielzeug. Im Sommer bin ich Bademeister und
gebe Schwimmunterricht. Manchmal verkaufe ich auch Eiswaffeln in den Straßen.
Ja, und dann kommt schon wieder der Herbst - und nun muß ich wirklich
gehen."Wir schüttelten uns die Hand.
Ich sah ihm vom Fenster aus nach. Er stapfte mit großen, hastigen Schritten
durch den Schnee. An der Ecke Ungerstraße wartete ein Mann auf ihn. Er
sah wie der Hausierer aus, wie der redselige mit den blöden Ansichtskarten.
Sie bogen gemeinsam um die Ecke. Oder hatte ich mich getäuscht? Eine Viertelstunde
danach klingelte es schon wieder. Diesmal erschien der Laufbursche des
Delikatessengeschäftes Zimmermann Söhne. Ein angenehmer Besuch! Ich wollte
bezahlen, fand aber die Brieftasche nicht gleich. "Das hat ja Zeit, Herr
Doktor", meinte der Bote väterlich. "Ich möchte wetten, daß sie auf dem
Schreibtisch gelegen hat!" sagte ich. "Nun gut, ich begleiche die Rechnung
morgen. Aber warten Sie noch, ich bring' Ihnen eine gute Zigarre!" Die
Kiste mit den Zigarren fand ich auch nicht gleich. Das heißt, später fand
ich sie ebensowenig. Die Zigarren nicht. Die Brieftasche auch nicht. Das
silberne Zigarettenetui war auch nicht zu finden. Und die Manschettenknöpfe
mit den großen Mondsteinen und die Frackperlen waren weder an ihrem Platz
noch sonstwo. Jedenfalls nicht in meiner Wohnung.Ich konnte mir gar nicht
erklären, wohin das alles geraten sein mochte. Es wurde trotzdem ein stiller
hübscher Abend. Es klingelte niemand mehr. Wirklich, ein gelungener Abend.
Nur irgend etwas fehlte mir. Aber was? Eine Zigarre? Natürlich! Glücklicherweise
war das goldene Feuerzeug auch nicht mehr da. Denn das muß ich, obwohl
ich ein ruhiger Mensch bin, bekennen: Feuer zu haben, aber nichts zum
Rauchen im Haus, das könnte mir den ganzen Abend verderben!
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Felix
holt Senf
von Erich Kästner
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Es war am Weihnachtsabend im Jahre 1927 gegen
sechs Uhr , und Preissers hatten eben beschert.Der Vater balancierte auf
einem Stuhl dicht vorm Weihnachtsbaum und zerdrückte die Stearinflämmchen
zwischen den angefeuchteten Fingern.Die Mutter hantierte draußen in der
Küche , brachte das Eßgeschirr und den Kartoffelsalat in die Stube und
meinte:Die Würstchen sind gleich heiß!
Ihr Mann kletterte vom Stuhl,klatschte fidel in die Hände und rief ihr
nach: >>Vergiß den Senf nicht! Sie kam, statt zu antworten , mit dem leeren
Senfglas zurück und sagte:Felix,hol Senf!Die Würstchen sind sofort fertig.
Felix saß unter der Lampe und drehte an einem kleinen billigen Fotoapperat
herum.Der Vater versetzte dem Fünfzehnjährigen einen Klaps und polterte:Nacher
ist auch noch Zeit. Hier hast du Geld.Los,hol Senf!Nimm den Schlüssel
mit,damit du nicht klingeln brauchst.Soll ich dor Beine machen?
Felix hielt das Senfglas , als wolle er damit fotografieren,nahm den Schlüssel
und lief auf die Straße.Hinter den Ladentüren standen die Geschäftsleute
ungeduldig und fanden sich vom Schicksal ungerecht behandelt . Aus den
Fenstern aller Stockwerke schimmerten die Christbäume . Felix spazierte
an hundert Läden vorbei und starrte hinein , ohne etwas zu sehen.Er war
in einem Schwebezustand ,der mit Senf und Würstchen nichts zu tun hatte.Er
war glücklich,bis ihm vor lauter Glück das Senfglas aus der Hand aufs
Pflaster fiel.Die Rolläden prasselten an den Schaufenstern herunter und
Felix merkte,dass er sich seit einer Stunde in der Stadt herumtrieb.Die
Würstchen waren längst geplatzt! Er brachte es nicht über sich , nach
Hause zu gehen.So ganz ohne Senf! Gerade heute hätte er Ohrfeigen nicht
gut vertragen.
Herr und Frau Preisser aßen die Würstchen mit Ärger und ohne Senf.Um acht
wurden sie ängstlich . Um neun liefen sie aus dem Haus und klingelten
bei Felix Freunden. Am ersten Weihnachtsfeiertag verständigten sie die
Polizei. Sie warteten drei Tage vergebens . Sie warteten drei Jahre vergebens
. ´Langsam ging ihre Hoffnung zugrunde, schließlich warteten sie nicht
mehr und versanken in hoffnungsloser Traurigkeit.
Die Weihnachtsabende wurden von nun an das Schlimmste im Leben der Eltern.Da
saßen sie schweigend vorm Christbaum ,betrachteten den kleinen billigen
Fotoapperat und ein Bild ihres Sohnes , das ihn als Konfirmanden zeigte,im
blauen Anzug , den schwarzen Filzhut keck auf dem Ohr.Sie hatten den Jungen
so liebgehabt, und daß der Vater manchmal eine lockere Hhand bewiesen
hatte, war doch nicht böse gemeint , nicht wahr? Jedes Jahr lagen die
zehn alten Zigarren unterm Baum,die Felix dem Vater damals geschenkt hatte,und
die warmen Handschuhe für die Mutter.Jedes Jahr aßen sie Kartoffelsalat
mit Würstchen, aber aus Pietät ohne Senf.Das war ja auch gleichgültig
, es konnte ihnen doch niemals schmecken.
Sie saßen nebeneinander,und vor ihren weinenden Augen verschwammen die
brennenden Kerzen zu großen glitzernden Lichtkugeln.Sie saßen nebeneinander,und
er sagte jedes Jahr: Diesmal sind die Würstchen aber ganz besonders gut.
Und sie antwortete jedesmal: Ich hol dir die von Felix noch aus der Küche.Wir
können jetzt nicht mehr warten. Doch um es rasch zu sagen:Felix kam wieder.
Das war am Weihnachtsabend im Jahre 1932 kurz nach sechs Uhr...Die Mutter
hatte die heißen Würstchen hereingebracht , da meinte der Vater:Hörst
du nichts? Ging nicht eben die Tür? Sie lauschten und aßen dann weiter.
Als jemand ins Zimmer trat,wagten sie nicht,sich umzudrehen.Eine zitternde
Stimme sagte:So,da ist der Senf , Vater.
Und eine Hand schob sich zwischen den beiden alten Leuten hindurch und
stellte wahrhaftig ein gefülltes Senfglas auf den Tisch.
Die Mutter senkte den Kopf ganz tief und faltete die Hände.Der Vater zog
sich am Tisch hoch,drehte sich trotz der Tränen lächelnd um , hob den
Arm, gab dem jungen Mann eine schallende Ohrfeige und sagte :Das hat aber
ziemlich lange gedauert , du Bengel.Setz dich hin! Was nützte der Beste
Senf der Welt , wenn die Würstchen kalt werden?Daß sie kalt wurden , ist
erwiesen.Felix saß zwischen den Eltern und erzählte von seinen Erlebnissen
in der Fremde , von fünf langen Jahren und vielen wunderbaren Sachen.Die
Eltern hielten ihn bei den Händen und hörten vor Freude nicht zu.
Unterm Christbaum lagen Vaters Zigarren ,
Mutters Handschuhe und der billige Fotoapperat. Und es schien , als hätten
fünf Jahre nur zehn Minuten gedauert. Schließlich stand die Mutter auf
und sagte :"So Felix, jetzt hol ich dir
deine Würstchen."
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Beim Aufräumen des Dachbodens - ein paar Wochen
vor Weihnachten -entdeckte ein Familienvater in einer Ecke einen ganz
verstaubten, uralten Weihnachtsbaumständer. Es war ein besonderer Ständer
mit einem Drehmechanismus und einer eingebauten Spielwalze. Beim vorsichtigen
Drehen konnte man das Lied „O du fröhliche“ erkennen. Das musste der Christbaumständer
sein, von dem Großmutter immer erzählte, wenn die Weihnachtszeit herankam.
Das Ding sah zwar fürchterlich aus, doch da kam ihm ein wunderbarer Gedanke.
Wie würde sich Großmutter freuen, wenn sie am Heiligabend vor dem Baum
säße und dieser sich auf einmal wie in uralter Zeit zu drehen begänne
und dazu „O du fröhliche“ spielte. Nicht nur Großmutter, die ganze Familie
würde staunen.
Es gelang ihm, mit dem antiken Stück ungesehen in seinen Bastelraum zu
verschwinden. Gut gereinigt, eine neue Feder, dann müsste der Mechanismus
wieder funktionieren, überlegte er. Abends zog er sich jetzt geheimnisvoll
in seinen Hobbyraum zurück, verriegelte die Tür und werkelte. Auf neugierige
Fragen antwortete er immer nur „Weihnachtsüberraschung“. Kurz vor Weihnachten
hatte er es geschafft. Wie neu sah der Ständer aus, nachdem er auch noch
einen Anstrich erhalten hatte.
Jetzt aber gleich los und einen prächtigen Christbaum besorgen, dachte
er. Mindestens zwei Meter sollte der messen. Mit einem wirklich schön
gewachsenen Exemplar verschwand Vater dann in seinem Hobbyraum, wo er
auch gleich einen Probelauf startete. Es funktionierte alles bestens.
Würde Großmutter Augen machen!
Endlich war Heiligabend. „Den Baum schmücke ich alleine“, tönte Vater.
So aufgeregt war er lange nicht mehr. Echte Kerzen hatte er besorgt, alles
sollte stimmen. „Die werden Augen machen“, sagte er bei jeder Kugel, die
er in den Baum hing. Vater hatte wirklich an alles gedacht. Der Stern
von Bethlehem saß oben auf der Spitze, bunte Kugeln, Naschwerk und Wunderkerzen
waren untergebracht, Engelhaar und Lametta dekorativ aufgehängt. Die Feier
konnte beginnen.
Vater schleppte für Großmutter den großen Ohrensessel herbei. Feierlich
wurde sie geholt und zu ihrem Ehrenplatz geleitet. Die Stühle hatte er
in einem Halbkreis um den Tannenbaum gruppiert. Die Eltern setzten sich
rechts und links von Großmutter, die Kinder nahmen außen Platz. Jetzt
kam Vaters großer Auftritt. Bedächtig zündete er Kerze für Kerze an, dann
noch die Wunderkerzen. „Und jetzt kommt die große Überraschung“, verkündete
er, löste die Sperre am Ständer und nahm ganz schnell seinen Platz ein.
Langsam drehte sich der Weihnachtsbaum, hell spielte die Musikwalze „O
du fröhliche“. War das eine Freude! Die Kinder klatschten vergnügt in
die Hände. Oma hatte Tränen der Rührung in den Augen. Immer wieder sagte
sie: „Wenn Großvater das noch erleben könnte, dass ich das noch erleben
darf.“ Mutter war stumm vor Staunen.
Eine ganze Weile schaute die Familie beglückt und stumm auf den sich im
Festgewand drehenden Weihnachtsbaum, als ein schnarrendes Geräusch sie
jäh aus ihrer Versunkenheit riss. Ein Zittern durchlief den Baum, die
bunten Kugeln klirrten wie Glöckchen. Der Baum fing an, sich wie verrückt
zu drehen. Die Musikwalze hämmerte los. Es hörte sich an, als wollte „O
du fröhliche“ sich selbst überholen. Mutter rief mit überschnappender
Stimme: „So tu doch etwas!“ Vater saß wie versteinert, was den Baum nicht
davon abhielt, seine Geschwindigkeit zu steigern. Er drehte sich so rasant,
dass die Flammen hinter ihren Kerzen herwehten. Großmutter bekreuzigte
sich und betete. Dann murmelte sie: „Wenn das Großvater noch erlebt hätte.“
Als Erstes löste sich der Stern von Bethlehem, sauste wie ein Komet durch
das Zimmer, klatschte gegen den Türrahmen und fiel dann auf Felix, den
Dackel, der dort ein Nickerchen hielt. Der arme Hund flitzte wie von der
Tarantel gestochen aus dem Zimmer in die Küche, wo man von ihm nur noch
die Nase und ein Auge um die Ecke schielen sah. Lametta und Engelhaar
hatten sich erhoben und schwebten wie ein Kettenkarussell am Weihnachtsbaum.
Vater gab das Kommando „Alles in Deckung!“ Ein Rauschgoldengel trudelte
losgelöst durchs Zimmer, nicht wissend, was er mit seiner plötzlichen
Freiheit anfangen sollte. Weihnachtskugeln, gefüllter Schokoladenschmuck
und andere Anhängsel sausten wie Geschosse durch das Zimmer und platzten
beim Aufschlagen auseinander.
Die Kinder hatten hinter Großmutters Sessel Schutz gefunden. Vater und
Mutter lagen flach auf dem Bauch, den Kopf mit den Armen schützend. Mutter
jammerte in den Teppich hinein: „Alles umsonst, die viele Arbeit, alles
umsonst!“ Vater war das alles sehr peinlich. Oma saß immer noch auf ihrem
Logenplatz, wie erstarrt, von oben bis unten mit Engelhaar und Lametta
geschmückt. Ihr kam Großvater in den Sinn, als dieser 14-18 in den Ardennen
in feindlichem Artilleriefeuer gelegen hatte. Genau so musste es gewesen
sein. Als gefüllter Schokoladenbaumschmuck an ihrem Kopf explodierte,
registrierte sie trocken „Kirschwasser“ und murmelte: „Wenn Großvater
das noch erlebt hätte!“ Zu allem jaulte die Musikwalze im Schlupfakkord
„O du fröhliche“, bis mit einem ächzenden Ton der Ständer seinen Geist
aufgab.
Durch den plötzlichen Stopp neigte sich der Christbaum in Zeitlupe, fiel
aufs kalte Buffet, die letzten Nadeln von sich gebend. Totenstille! Großmutter,
geschmückt wie nach einer New Yorker Konfettiparade, erhob sich schweigend.
Kopfschüttelnd begab sie sich, eine Lamettagirlande wie eine Schleppe
tragend, auf ihr Zimmer. In der Tür stehend sagte sie: „Wie gut, dass
Großvater das nicht erlebt hat!“
Mutter, völlig aufgelöst zu Vater: „Wenn ich mir diese Bescherung ansehe,
dann ist deine große Überraschung wirklich gelungen.“ Andreas meinte:
„Du, Papi, das war echt stark! Machen wir das jetzt Weihnachten immer
so?“Beim Aufräumen des Dachbodens - ein paar Wochen vor Weihnachten -entdeckte
ein Familienvater in einer Ecke einen ganz verstaubten, uralten Weihnachtsbaumständer.
Es war ein besonderer Ständer mit einem Drehmechanismus und einer eingebauten
Spielwalze. Beim vorsichtigen Drehen konnte man das Lied „O du fröhliche“
erkennen. Das musste der Christbaumständer sein, von dem Großmutter immer
erzählte, wenn die Weihnachtszeit herankam. Das Ding sah zwar fürchterlich
aus, doch da kam ihm ein wunderbarer Gedanke. Wie würde sich Großmutter
freuen, wenn sie am Heiligabend vor dem Baum säße und dieser sich auf
einmal wie in uralter Zeit zu drehen begänne und dazu „O du fröhliche“
spielte. Nicht nur Großmutter, die ganze Familie würde staunen.
Es gelang ihm, mit dem antiken Stück ungesehen in seinen Bastelraum zu
verschwinden. Gut gereinigt, eine neue Feder, dann müsste der Mechanismus
wieder funktionieren, überlegte er. Abends zog er sich jetzt geheimnisvoll
in seinen Hobbyraum zurück, verriegelte die Tür und werkelte. Auf neugierige
Fragen antwortete er immer nur „Weihnachtsüberraschung“. Kurz vor Weihnachten
hatte er es geschafft. Wie neu sah der Ständer aus, nachdem er auch noch
einen Anstrich erhalten hatte.
Jetzt aber gleich los und einen prächtigen Christbaum besorgen, dachte
er. Mindestens zwei Meter sollte der messen. Mit einem wirklich schön
gewachsenen Exemplar verschwand Vater dann in seinem Hobbyraum, wo er
auch gleich einen Probelauf startete. Es funktionierte alles bestens.
Würde Großmutter Augen machen!
Endlich war Heiligabend. „Den Baum schmücke ich alleine“, tönte Vater.
So aufgeregt war er lange nicht mehr. Echte Kerzen hatte er besorgt, alles
sollte stimmen. „Die werden Augen machen“, sagte er bei jeder Kugel, die
er in den Baum hing. Vater hatte wirklich an alles gedacht. Der Stern
von Bethlehem saß oben auf der Spitze, bunte Kugeln, Naschwerk und Wunderkerzen
waren untergebracht, Engelhaar und Lametta dekorativ aufgehängt. Die Feier
konnte beginnen.
Vater schleppte für Großmutter den großen Ohrensessel herbei. Feierlich
wurde sie geholt und zu ihrem Ehrenplatz geleitet. Die Stühle hatte er
in einem Halbkreis um den Tannenbaum gruppiert. Die Eltern setzten sich
rechts und links von Großmutter, die Kinder nahmen außen Platz. Jetzt
kam Vaters großer Auftritt. Bedächtig zündete er Kerze für Kerze an, dann
noch die Wunderkerzen. „Und jetzt kommt die große Überraschung“, verkündete
er, löste die Sperre am Ständer und nahm ganz schnell seinen Platz ein.
Langsam drehte sich der Weihnachtsbaum, hell spielte die Musikwalze „O
du fröhliche“. War das eine Freude! Die Kinder klatschten vergnügt in
die Hände. Oma hatte Tränen der Rührung in den Augen. Immer wieder sagte
sie: „Wenn Großvater das noch erleben könnte, dass ich das noch erleben
darf.“ Mutter war stumm vor Staunen.
Eine ganze Weile schaute die Familie beglückt und stumm auf den sich im
Festgewand drehenden Weihnachtsbaum, als ein schnarrendes Geräusch sie
jäh aus ihrer Versunkenheit riss. Ein Zittern durchlief den Baum, die
bunten Kugeln klirrten wie Glöckchen. Der Baum fing an, sich wie verrückt
zu drehen. Die Musikwalze hämmerte los. Es hörte sich an, als wollte „O
du fröhliche“ sich selbst überholen. Mutter rief mit überschnappender
Stimme: „So tu doch etwas!“ Vater saß wie versteinert, was den Baum nicht
davon abhielt, seine Geschwindigkeit zu steigern. Er drehte sich so rasant,
dass die Flammen hinter ihren Kerzen herwehten. Großmutter bekreuzigte
sich und betete. Dann murmelte sie: „Wenn das Großvater noch erlebt hätte.“
Als Erstes löste sich der Stern von Bethlehem, sauste wie ein Komet durch
das Zimmer, klatschte gegen den Türrahmen und fiel dann auf Felix, den
Dackel, der dort ein Nickerchen hielt. Der arme Hund flitzte wie von der
Tarantel gestochen aus dem Zimmer in die Küche, wo man von ihm nur noch
die Nase und ein Auge um die Ecke schielen sah. Lametta und Engelhaar
hatten sich erhoben und schwebten wie ein Kettenkarussell am Weihnachtsbaum.
Vater gab das Kommando „Alles in Deckung!“ Ein Rauschgoldengel trudelte
losgelöst durchs Zimmer, nicht wissend, was er mit seiner plötzlichen
Freiheit anfangen sollte. Weihnachtskugeln, gefüllter Schokoladenschmuck
und andere Anhängsel sausten wie Geschosse durch das Zimmer und platzten
beim Aufschlagen auseinander.
Die Kinder hatten hinter Großmutters Sessel Schutz gefunden. Vater und
Mutter lagen flach auf dem Bauch, den Kopf mit den Armen schützend. Mutter
jammerte in den Teppich hinein: „Alles umsonst, die viele Arbeit, alles
umsonst!“ Vater war das alles sehr peinlich. Oma saß immer noch auf ihrem
Logenplatz, wie erstarrt, von oben bis unten mit Engelhaar und Lametta
geschmückt. Ihr kam Großvater in den Sinn, als dieser 14-18 in den Ardennen
in feindlichem Artilleriefeuer gelegen hatte. Genau so musste es gewesen
sein. Als gefüllter Schokoladenbaumschmuck an ihrem Kopf explodierte,
registrierte sie trocken „Kirschwasser“ und murmelte: „Wenn Großvater
das noch erlebt hätte!“ Zu allem jaulte die Musikwalze im Schlupfakkord
„O du fröhliche“, bis mit einem ächzenden Ton der Ständer seinen Geist
aufgab.
Durch den plötzlichen Stopp neigte sich der Christbaum in Zeitlupe, fiel
aufs kalte Buffet, die letzten Nadeln von sich gebend. Totenstille! Großmutter,
geschmückt wie nach einer New Yorker Konfettiparade, erhob sich schweigend.
Kopfschüttelnd begab sie sich, eine Lamettagirlande wie eine Schleppe
tragend, auf ihr Zimmer. In der Tür stehend sagte sie: „Wie gut, dass
Großvater das nicht erlebt hat!“
Mutter, völlig aufgelöst zu Vater: „Wenn ich mir diese Bescherung ansehe,
dann ist deine große Überraschung wirklich gelungen.“ Andreas meinte:
„Du, Papi, das war echt stark! Machen wir das jetzt Weihnachten immer
so?“
Quelle unbekannt
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Einkaufen
in der Vorweihnachtszeit
|
Sie geht wieder los. Sie wissen schon
was ich meine, die schrecklichste Zeit des Jahres. Die Vorweihnachtszeit.
In keiner anderen Zeit des Jahres liegen die Nerven derart blank, gehen
derart viele Beziehungen durch schwere und schwerste Krisen. Denn kurz
vor Weihnachten werden bei Frauen längst verloren geglaubte Instinkte
wach, ein kleiner Bereich des Großhirns wird temporär aktiv, den ich nach
langen, bitteren Studien das "Rabattzentrum" nenne. Kurz vor Weihnachten
verschickt eines unserer Wäschegeschäfte in einem Akt von Konsumterrorismus
Einkaufsgutscheine. Der Wert liegt meist bei 5 Euro.
Ein plumper Akt der Kundenmanipulation werden Sie jetzt sagen, aber glauben
Sie mir, es wirkt. Frage ich zart nach:"Ist der Laden nicht ziemlich teuer?",
werde ich schnell belehrt: "Aber es gibt doch Rabatt, das dürfen wir uns
nicht entgehen lassen." "Wir", wieso eigentlich "wir"? Kaum flattert solch
ein Gutschein in unseren Briefkasten werden bei meinem Weib normalerweise
ordungsgemäß unterdrückte Beutetriebe ausgelöst. Vor einem prall gefüllten
Kleiderschrank stehend versagt akut ihr Wahrnehmungsvermögen. "Ich habe
nichts anzuziehen."
Wenn dieser Schlachtruf durch unsere Wohnung hallt versuche ich mich eigentlich
ihrem Zugriff zu entziehen, indem ich beginne den Keller aufzuräumen,
oder ähnlich lange vernachlässigte Tätigkeiten ausübe (ich habe da so
eine Liste...). Meine bessere Hälfte durchschaut die Aktion gewohnheitsmäßig
und wenige Stunden später finde ich mich in der Fußgängerzone wieder.
Kleiderkauf ist ein altes Trauma von mir. Ich gehe, im seltenen Fall,
dass ich ein neues Beinkleid brauche in mein favorisiertes Jeansgeschäft
und rufe der meist jungen, normalerweise hübschen und immer beschämend
schlanken Verkäuferin eine geheimnisvolle Zahlenkombination zu an die
ich mich noch aus meiner Jugend zu erinnern glaube.
Wenige peinliche Augenblicke später korrigiere ich meine Größenschätzung
in Richtung Realität und gehe kurze Zeit darauf mit einem Paar neuer Hosen
einen Espresso trinken. D.h. zur Sicherheit nehme ich meistens gleich
zwei Paar mit. Gehe ich aber mit meinem Schatz Einkaufen, wird ein einfaches
Vorhaben zu einer mittelschweren Odyssee. Besonders im Fall Unterwäschekauf.
Ich habe ja überhaupt nichts gegen Unterwäsche, was ich nicht mag, ist
beim Wäschekauf zu assistieren.Kaum betreten wir einen Laden, der diese
importierte, sündhaft teure Spitzenwäsche feilbietet verlässt die Situation
den Bereich des Beherrschbaren. Den 5 Euro-Gutschein in der Hand beginnt
ein Beutezug, der die Plünderung Roms durch die Barbaren als schlappen
Straßenkarneval erscheinen lässt. "Schatz, halt das doch mal eben." Mit
diesen Worten bekomme ich dann ca. 8 Tüten mit unseren bisherigen Einkäufen
überreicht und werde skrupellos alleine gelassen.
Es gibt wenig einsameres, als einen Mann in einem Damenunterwäschegeschäft.
Nur eines ist noch erniedigender - von seiner Frau mit dem Kauf von Monatshygieneartikeln
betraut zu werden. Wussten Sie, dass 80% der Männer, die das Wort "Damenbinde"
auf ihrem Einkaufszettel entdecken nicht nach Hause zurückkehren? In Frankreich
hat man sogar eine Selbsthilfegruppe für derart Geschädigte eingerichtet.
Die Fremdenlegion ist aber kein Thema für mich, deshalb harre ich meistens
brav dort aus, wo ich zurückgelassen werde. Meine Idee ist ja, dass in
solchen Geschäften spezielle Unterhaltungs-Ecken für abgestellte Männer
eingerichtet werden mit Video und Bar. Jedes bessere Möbelhaus hat ja
auch ein Kinderparadies. Außerdem könnte ich dann nach angemessener Zeit
die ultimative Rachemaßnahme einleiten - eine Lautsprecherdurchsage: "Der
kleine Willi möchte aus der Männerecke abgeholt werden!" oder so ähnlich.
Nach kurzer Zeit - wobei das eine relative Angabe ist - kommt mein Schatz
dann bei mir vorbei um mir die Funde zu präsentieren. Ich werde sogar
nach meiner Meinung gefragt. Irritierenderweise werden meine Aussagen
aber minimal uminterpretiert. Sage ich beispielsweise: "Das steht dir
bestimmt wunderbar.", erhalte ich eine Antwort wie: "Dieser Lappen, meinst
du ich ziehe so was an?" Ich frage gar nicht mehr, warum Sie es dann überhaupt
mitgebracht hat. "Das ist hübsch..", wird mit "Ich frage mich für welche
Frauen die sowas schneidern." gekontert. Und sagen Sie um Himmelswillen
nie: "Bestimmt sehr bequem". Wenn Sie als Antwort nur "Findest du ich
bin zu fett?" erhalten, haben Sie noch Glück. Ich habe schon erwachsene
Männer erlebt, die auf den Knien hinter ihrer eingeschnappten Gattin hergerutscht
sind, um sie davon zu überzeugen, dass ihr Übergewicht ihrer Zuneigung
keinen Abbruch tut. Armselige Kreaturen, die sich schon jetzt von ihrer
Selbstachtung und ihrer Kreditkarte verabschieden können. Ich bin dazu
übergegangen gar nicht zu antworten und fahre damit hervorragend.
Die Antworten geben sich Frauen nämlich im Allgemeinen selbst. "Das ist
doch niedlich, oder?" - "Obwohl, in der Farbe steht mir das nicht" "Findest
du dass mich das dick macht?" - "Aber mit diesem süßen Top geht das schon."
"Das Material ist doch wunderschön, nicht wahr?" - "Mein Gott, das muss
man ja mit der Hand waschen." Ich nenne diese Art der Gesprächsführung
"autonomen Dialog". Wer sich nicht einmischt überlebt. Nach knappen 2
Stunden, dürfen wir dann endlich zur Kasse gehen. Sie hatte in der Zwischenzeit
die komplette Kollektion des Geschäftes zweimal anprobiert, und sich dann
für drei Teile entschieden, deren Stoffmenge einem normalen Herrentaschentuch
entspricht, deren Preis aber vermuten lässt, dass es sich um Teile des
Turiner Grabtuchs handeln muss.
Seltsamerweise überreicht die nette Dame an der Kasse dann immer mir die
Rechnung... Aber was solls, wir haben ja den Gutschein.
Quelle unbekannt
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