Warum ist es so schwer, mit dem Mißbrauch wieder aufzuhören???
Es ist bei uns eher die Regel als die Ausnahme, daß Erwachsene Alkohol trinken. Für viele wird es zu einer normalen Gewohnheit, die unbemerkt Mißbrauchscharakter annimmt.

Es müssen erst immer Ereignisse eintreten die man für unerträglich hält, um den Mißbrauch als solches zu registrieren. Außerdem müssen solche Ereignisse- wie Arbeitsplatzprobleme, Krankheiten oder familiäre Probleme- mit dem Mißbrauch in Zusammenhang gebracht werden, damit eine Änderung des eigenen Verhaltens überhaupt erwogen wird.


Und hier liegen die ersten Stolpersteine die es so schwer machen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Erstens: Wer bei alles verzeihenden Eltern lebt, arbeitslos ist oder eine alkoholduldende Arbeit und Bekanntschaft hat und wer wenig auf seinen Körper achtgibt, dem begegnen kaum schlimme Ereignisse.

Zweitens: Es ist so leicht, diese Ereignisse zu leugnen oder sie anderen Ursachen zuzuschreiben als dem Trinken. Da gibt es böse Vorgesetzte oder Kollegen, die Verwandtschaft- die die eigene Frau gegen einen aufhetzt, der Stress- der die Magenbeschwerden auslöst und so weiter... Wenn dann auch noch die Kollegen, Freunde und Verwandte dabei helfen, die Zusammenhänge mit dem Alkoholmißbrauch zu verschleiern, zu verheimlichen oder zu verniedlichen, gibt es doch keinen Anlaß, etwas grundsätzliches im eigenen Verhalten zu ändern.

Drittens: Die Problemlösung geht dann in die falsche Richtung: Scheidung, Arbeitsplatzwechsel, Änderung des Freundeskreises, Umsteigen auf andere Suchtmittel, Trinkpausen einlegen oder ähnliches.

Viertens: Wenn man sich dann das Wohlgefühl durch das Suchmittel wieder besorgt, muß man dies vor sich und anderen- mit verdrehten Begründungen- vertreten. Dadurch verzerrt man mit der Zeit immer mehr die Wahrnehmung, so daß man immer weniger erkennt, wie man selbst den eigenen Mißbrauch und dessen Zusammenhänge leugnet, verniedlicht und die Verantwortung dafür abschiebt. Werte wie Familie, Freundschaft, Aufrichtigkeit, Solidarität, Prinzipientreue, Fleiß und Arbeit geraten immer mehr ins Wanken. Gerade solche Werte sind es aber, an denen sich die schlimmsten Folgen des Mißbrauchs messen lassen: Die Messlatte geht verloren oder wird verzerrt.

Für die Einleitung einer erfolgreichen Änderung gehört benötigt man also:
  • Ereignisse die einen stutzig werden lassen, das etwas im Leben nicht richtig läuft
  • Die Möglichkeit und Fähigkeit, die Ereignisse mit dem Trinken in Zusammenhang zu bringen
  • Persönlich wichtige Werte und Normen, die vom Suchtmittelmißbrauch verletzt werden
  • Die Übernahme der Verantwortung für das eigene Verhalten
  • Die klare Erkenntnis, was man genau falsch gemacht hat (Problemanalyse)
  • Eine deutlich negative Bewertung dessen, was man falsch gemacht hat- keine Verharmlosung
  • Die Hoffnung, das es einen gangbaren Weg zur Lösung der Probleme gibt
  • Die Kenntnis dieses Weges, die nötige Kraft ihn zu gehen und das Durchhaltevermögen dabei zu bleiben
Aber wer verfügt schon von vornherein über diese Voraussetzungen?

Sicherlich nicht viele im Mißbrauch verfangene, zumal die körperlichen - und geistigen Folgeerscheinungen des Alkoholmißbrauchs einige der oben genannten Fähigkeiten erheblich beeinträchtigen ...