Co-Abhängigkeit
Was bedeutet Co-Abhängigkeit oder was sind Co-Abhängige?

Das Wort Co-Abhängiger steht für einen Menschen, der ein unwissentlich Verbündeter des Abhängigen ist und ein doppelter Teilhaber an der Krankheit. Er kriegt "seinen Teil ab" und er trägt ungewollt seinen Teil dazu bei, das die Abhängigkeit sich verfestigt. (Ein Co-Alkoholiker macht jedoch niemanden zum Alkoholiker!)

Ein co-abhängiges Verhalten zeigen Vater, Mutter, Ehefrau/mann, Kinder, Arbeitskollegen oder Vorgesetzte, Ärzte und Therapeuten, Freunde und Geschwister, wenn sie:
  • Verantwortung für den Abhängigen übernehmen

  • Sein Verhalten entschuldigen oder rechtfertigen

  • Ihm/ihr Belastungen abhnehmen oder ersparen wollen

  • das Verhalten des Abhängigen kontrollieren, indem sie Verstecke, in denen der Abhängige seine Suchtmittel verbirgt, suchen; ihn von Alkohol und Trinkanlässen fernhalten; Ihn beim Lügen ertappen wollen u.s.w.

  • Selber unaufrichtig dem Abhängigen, anderen Personen oder sich selbst gegenüber sind, was die Tatsachen und Gefühle bezüglich der Abhängigkeit betrifft.
Daß der Co-Alkoholiker als Folge davon selber Schwierigkeiten mit sich hat und Hilfe braucht, ist ihm meistens genausowenig klar wie dem Abhängigen in bezug auf seine Person. Der Co-Abhängige kann nämlich in seinem Wohlbefinden abhängig von einigen seiner oben beschriebenen Verhaltensweisen sein, weil er andernfalls vielleicht fürchtet, sich vor der Verwandtschaft schämen zu müssen, an Ansehen zu verlieren oder den Partner zu verletzen und ihm zu schaden. Er hat das Gefühl, er dürfe damit nicht aufhören. Und er hat meistens vernünftig klingende Gründe dafür, warum er sich so verhalten "muß".

Und je mehr Kummer der Alkoholiker dem Co-Abhängigen bereitet, desto mehr kümmert dieser sich um ihn, so das sich die Spirale des wechselseitig aufeinander bezogenen Verhaltens immer enger dreht.

Das Ergebnis ist logisch nachzuvollziehen. Je mehr der Co-Abhängige den Alkoholiker unterstützt, durch Lügen, Hilfe, abnehmen von unangenehmen Dingen, Entschuldigungen beim Arbeitgeber oder der Verwandtschaft etc., desto weniger hat der Abhängige einen Grund, sich selbst zu ändern und seine Sucht in den Griff zu bekommen. Es "läuft" ja alles irgendwie ... erst wenn der Co-Abhängige sein Verhalten ändert, den Abhängigen sozusagen "fallen" läßt, hat dieser durch die plötzlich neu entstandene Lebenssituation die Möglichkeit und die Einsicht, eine Änderung seines Verhaltens herbeizuführen.


Was kann ein Co-Abhängiger tun, um sich aus seinem Verhaltenmuster zu befreien?

Er sollte zu allererst die Nähe zu anderen Mitbetroffenen suchen. Viele Selbsthilfegruppen von Alkoholikern haben auch sogenannte Angehörigengruppen. Sicherlich ist es möglich, sich an jede Beratungsstelle zu wenden für genaue Infos.

Was kann ich tun, wenn ich sehe, daß ein Angehöriger, Freund oder Kollege Probleme mit Alkohol hat?

Ratschläge für schwierige Lebenssituationen klingen immer leicht hölzern oder besserwisserisch. Da ein zentrales Merkmal der Akoholkrankheit die Verzerrung der Realität und die Verleugnung der Problematik ist, sind Eingriffe von außen genauso schwierig wie notwendig. Folgendes könnte ihnen vielleicht hilfreich sein:
  • Reden sie MIT dem Betroffenen statt ÜBER ihn

  • Überlegen sie VORHER was sie ansprechen möchten und wie sie Hilfe anbieten können.

  • Sprechen sie den Betroffenen dann an, wenn er nüchtern ist.

  • Machen sie deutlich, das sie das Gespräch aus Sorge um den anderen suchen

  • Beschreiben sie ganz konkret, was sie besorgniserregend finden und wie sich sein Verhalten geändert hat. Fragen sie ruhig nach Gründen für das Verhalten, aber lassen sie sich bei allem Verständnis nicht davon abbringen, sie oder ihn aufzufordern und zu ermutigen, die Situation zu ändern.

  • Wenn sie glauben, das der Betreffende ernsthaft gefährdet ist, bitten sie ihn, sich an Hilfseinrichtungen zu wenden und geben sie ihm evtl. entsprechende Adressen

  • Zeigen sie dem Betroffenen ihr persönliches Interesse und sehen sie nicht NUR seine Probleme mit Alkohol

  • Behalten sie für sich, was der Betreffende ihnen erzählt hat. Wenn sie sich überfordert fühlen, suchen sie sich selbst Hilfe und Informationen.

  • Seien sie auf Beschönigungs- oder Verleugnungsversuche, auf Verständnis heischende, vernünftig klingende Erklärungen sowie auf aggressive Reaktionen und auf Selbstmitleid aus Schuldgefühlen gefaßt. Das gehört zum Krankheitsbild. Erkennen sie das an, aber lassen sie sich nicht zu leicht dadurch davon abbrigen, auf ihr Urteil zu vertrauen und auf den notwendigen Maßnahmen zu bestehen.

  • Bieten sie weitere Gespräche an, auch wenn das erste Gespräch nicht erfolgreich war.

  • Wenn sie Vorgesetzter sind, machen sie die Konsequenz klar, z. b. : Wenn sie es alleine nicht schaffen, wenn sie wieder ausfallen, dann müssen sie eine Therapie akzeptieren.
Falls sie Hemmungen haben, klar Stellung gegenüber stark trinkenden Mitmenschen zu beziehen, rufen sie sich stets in Erinnerung: Der Alkoholiker trinkt, solange die Umgebung dies zuläßt! Und zwar bis zum Siechtum und Tod!